Bestände richtig versichern

Brand­schaden und Obliegenheiten im Wohngebäude

Brandschäden sind seltener als Leitungswasserschäden, aber im Einzelfall deutlich teurer. Für Verwaltung und Eigentümer sind vor allem die Obliegenheiten relevant: Rauchwarnmelder, wiederkehrende Prüfungen und die Frage, ob grobe Fahrlässigkeit im Vertrag eingeschlossen ist.

  • HäufigkeitSelten
  • SchadenhöheHoch
  • PrüfpunktObliegenheiten
  • Lesezeit3 Minuten

Obliegenheiten, die im Vertrag stehen

Obliegenheiten sind keine Formalie. Werden sie verletzt, kann das die Leistung im Schadenfall berühren.

Obliegenheiten sind Verhaltenspflichten, die der Versicherungsnehmer erfüllen muss, damit der Versicherungsschutz voll erhalten bleibt. Die VGB 2022 nennen als Sicherheitsvorschriften unter anderem, versicherte Sachen in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten, nicht genutzte Gebäudeteile genügend häufig zu kontrollieren und in der kalten Jahreszeit zu beheizen oder die Wasserleitungen zu entleeren.

Die Folgen einer Verletzung regelt § 28 VVG. Bei vorsätzlicher Verletzung ist der Versicherer leistungsfrei. Bei grober Fahrlässigkeit kann er die Leistung nach der Schwere des Verschuldens kürzen. Die Leistung bleibt bestehen, wenn die Verletzung weder für den Eintritt noch für den Umfang des Schadens ursächlich war, außer bei Arglist.

Rauchwarnmelder sind in allen Bundesländern in Wohnungen vorgeschrieben. Die Landesbauordnungen regeln, wer sie einbaut und wer sie wartet. Ein fehlender Rauchmelder führt in der Wohngebäudeversicherung nach bisheriger Rechtsprechung meist nicht zu einer Kürzung, weil er meist Personen schützt und den Brand nicht verhindert. Er gehört trotzdem in die Dokumentation.

Ob Rauch- und Rußschäden ohne Brand und Sengschäden versichert sind, hängt vom Bedingungswerk ab. Die VGB 2022 schließen beides bis zu einer Entschädigungsgrenze ein, ältere Bedingungen oft nicht.

  • Vereinbarte Sicherungs- und Prüfpflichten aus den Bedingungen herausziehen
  • Rauch-, Ruß- und Sengschäden ohne Brand im Vertrag suchen: nach älteren Bedingungen oft nicht enthalten
  • Wiederkehrende Prüfungen an Heizung, Elektrik und Anlagen nachhalten
  • Erfüllung dokumentieren, statt sie im Schadenfall rekonstruieren zu müssen

Bauliche Veränderungen zurück in den Vertrag

Sanierung, Dachausbau und neue Anlagentechnik verändern das Risiko und den Wiederherstellungswert.

Brandrisiken ändern sich mit der Technik im Haus. Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen und Ladepunkte in der Tiefgarage sind neue Zündquellen und erhöhen gleichzeitig den Gebäudewert. Versicherer fragen zunehmend danach und machen teils Vorgaben, etwa zur Installation durch Fachbetriebe oder zu Abständen.

Auch Bauarbeiten selbst sind ein Risiko. Dacharbeiten mit offener Flamme, Schweißarbeiten und Heißbitumen verursachen jedes Jahr Brände. Die VGB 2022 nennen Baumaßnahmen, bei denen das Dach ganz oder teilweise entfernt wird, als Fall einer möglichen Gefahrerhöhung. Vor größeren Maßnahmen sollte die Versicherung informiert werden.

  • Ausbauten und Nutzungsänderungen dem Versicherer anzeigen
  • Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und Anlagentechnik der Deckung zuordnen
  • Versicherungssumme nach Maßnahmen erneut prüfen

Im Schadenfall handlungsfähig bleiben

Nach einem Brand entscheiden die ersten Tage darüber, wie belegbar der Schaden später ist.

Nach einem Brand greifen mehrere Pflichten gleichzeitig. Der Schaden muss dem Versicherer unverzüglich gemeldet werden. Der Schadenort darf ohne Zustimmung nur so weit verändert werden, wie es zur Sicherung oder Schadenminderung nötig ist. Brandermittler von Polizei und Versicherer wollen den Zustand sehen, bevor geräumt wird.

Parallel müssen Bewohner untergebracht und Mieter informiert werden. Die Musterbedingungen versichern den Mietausfall, solange Wohnungen nicht nutzbar sind, begrenzt auf einen vereinbarten Zeitraum. Hotelkosten für Bewohner und Kosten für Notmaßnahmen sollten von Anfang an getrennt erfasst werden.

Wer in dieser Phase eine Ansprechperson für den Versicherer benennt und alle Anfragen über sie laufen lässt, vermeidet widersprüchliche Angaben. Das beschleunigt die Regulierung spürbar.

  • Schadenort sichern und den Zustand vor der Räumung dokumentieren
  • Bewohnbarkeit, Mietausfall und Folgekosten früh einordnen
  • Rückfragen des Versicherers gebündelt und nachvollziehbar beantworten

Häufige Fragen

Was bedeutet grobe Fahrlässigkeit im Vertrag?

Ohne entsprechende Klausel kann der Versicherer die Leistung kürzen, wenn der Schaden grob fahrlässig herbeigeführt wurde. Viele Verträge schließen grobe Fahrlässigkeit ein, manche nur bis zu einer Teilsumme, manche gar nicht. Der Unterschied gehört in die Prüfung.

Sind Rußschäden ohne Brand mitversichert?

Das hängt vom Bedingungswerk ab. Die VGB 2022 versichern Rauch, der plötzlich und bestimmungswidrig aus Heizungs-, Feuerungs-, Koch- oder Trocknungsanlagen austritt, und Sengschäden ohne Brand, jeweils bis zu einer Entschädigungsgrenze. Ältere Bedingungen enthalten das oft nicht. Schleichende Beläge durch dauernde Rauchentwicklung bleiben ausgeschlossen.

Wie beginnt die Zusammenarbeit?

Wir beginnen mit Bestandsliste, Vollmacht und den verfügbaren Unterlagen. Fehlende Vertragsstände und Schadenaufstellungen fordern wir bei den Versicherern an. Auf dieser Grundlage prüfen wir und legen fest, was zuerst angegangen wird.

Garantiert Field & Folio eine bestimmte Deckung oder Regulierung?

Nein. Deckung und Regulierung hängen immer vom konkreten Vertrag, den Bedingungen und dem Sachverhalt ab. Wir bereiten die Informationen auf, prüfen offene Punkte und begleiten die Klärung mit dem Versicherer.

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Quellen

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