Schadenquote in der Wohngebäudeversicherung verstehen
Eine Schadenquote setzt Schadenaufwand und Prämien für einen definierten Zeitraum ins Verhältnis. Für eine belastbare Einordnung müssen Zeitraum, offene Reserven, Prämienbasis und Datenvollständigkeit genannt werden. Versicherer können intern anders rechnen.
- ZählerSchadenaufwand
- NennerPrämienvolumen
- PflichtZeitraum angeben
- Lesezeit3 Minuten
Eine Kennzahl braucht eine Definition
Ohne klare Berechnungsbasis sind Quoten zwischen Objekten, Jahren oder Versicherern nicht vergleichbar.
Die Schadenquote ist das Verhältnis von Schadenaufwand zu verdienter Prämie in einem Zeitraum. Bei 20.000 Euro Schäden und 25.000 Euro Prämie liegt sie bei 80 Prozent. Die Sparte Wohngebäude gilt seit Langem als defizitär. Nach GDV-Zahlen lag die kombinierte Schaden-Kosten-Quote in den meisten Jahren der letzten zwei Jahrzehnte über 100 Prozent. Die Versicherer haben also mehr für Schäden und Kosten ausgegeben, als sie an Beiträgen eingenommen haben.
Versicherer brauchen neben den Schäden auch Kosten für Vertrieb, Verwaltung und Rückversicherung. Liegt die Schadenquote eines Vertrags dauerhaft über einem Wert, der diese Kosten nicht mehr trägt, wird der Vertrag für den Versicherer unwirtschaftlich. Wo diese Schwelle liegt, legt jeder Versicherer selbst fest. In der Praxis beginnen Gespräche über Sanierung oft ab etwa 60 bis 70 Prozent über mehrere Jahre.
Für eine eigene Auswertung ist wichtig, wie der Schadenaufwand gezählt wird. Enthält er nur Zahlungen oder auch Reserven für offene Schäden? Werden Regresseinnahmen abgezogen? Betrachtet man ein Kalenderjahr oder drei bis fünf Jahre? Ohne diese Angaben sind zwei Quoten nicht vergleichbar.
- Beobachtungszeitraum und Prämienbasis festlegen
- Zahlungen und offene Reserven transparent unterscheiden
- Regress, Selbstbehalte und Sondereffekte dokumentieren
Objekt und Portfolio getrennt betrachten
Ein einzelner Großschaden kann ein Objekt prägen, während ein Portfolio andere Muster zeigt.
Ein einzelner Großschaden kann die Quote eines Objekts für Jahre prägen, ohne etwas über seinen Zustand zu sagen. Ein Blitzschlag ist ein Zufall. Zwölf kleine Leitungswasserschäden in drei Jahren sind ein Muster.
Deshalb lohnt es sich, neben der Quote die Anzahl der Schäden, ihre Ursachen und die betroffenen Bauteile zu betrachten. Über ein ganzes Portfolio lassen sich so die Objekte finden, die den Verlauf prägen, und die Ursachen, die sich beheben lassen.
- Schadenanzahl und Schadenaufwand je Objekt auswerten
- Sparten und Ursachen getrennt analysieren
- Auffällige Teilbestände für weitere Prüfung priorisieren
Aus der Quote keine Garantie ableiten
Die Kennzahl unterstützt Gespräche und Maßnahmen, entscheidet aber nicht allein über Prämie, Annahme oder Kündigung.
Eine niedrige Schadenquote ist ein gutes Argument, aber keine Zusage. Versicherer kalkulieren auch nach Marktlage, Tarifstrategie und Rückversicherungskosten. Nach Jahren mit großen Naturkatastrophen erhöhen sie Prämien auch für schadenarme Verträge.
Umgekehrt ist eine hohe Quote kein Urteil. Mit einer klaren Darstellung der Ursachen und der ergriffenen Maßnahmen lässt sich oft eine Fortführung zu vertretbaren Bedingungen erreichen.
- Maßnahmen und Ursachen zusammen mit der Quote darstellen
- Eigene Berechnung klar als solche kennzeichnen
- Versichererentscheidung nicht vorwegnehmen
Die eigene Quote berechnen
Mit wenigen Daten lässt sich die Schadenquote selbst führen.
Nötig sind die gezahlten Prämien je Jahr, die Schäden mit Datum, Zahlungen und offenen Reserven sowie eventuelle Regresse. Die Schadenaufstellung des Versicherers liefert die meisten dieser Angaben, eine Vollmacht erlaubt die Abfrage.
Die Quote sollte je Objekt und über den ganzen Vertrag berechnet werden, jeweils für einzelne Jahre und für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Die Differenz zwischen der eigenen und der Rechnung des Versicherers ist oft aufschlussreich, etwa wenn Reserven zu hoch angesetzt oder abgeschlossene Schäden noch als offen geführt werden.
- Prämien, Zahlungen, Reserven und Regresse erfassen
- Quote je Objekt und je Vertrag berechnen
- Eigene Rechnung mit der des Versicherers abgleichen
Häufige Fragen
Wie wird die Schadenquote berechnet?
In einer einfachen eigenen Betrachtung wird der bekannte Schadenaufwand durch das bekannte Prämienvolumen desselben Zeitraums geteilt. Definitionen der Versicherer können abweichen.
Zählen offene Schäden mit?
Für eine wirtschaftliche Betrachtung können offene Reserven relevant sein. Sie sollten getrennt ausgewiesen und die verwendete Methode erklärt werden.
Ist eine niedrige Quote automatisch gut?
Nicht allein. Zeitraum, Datenqualität, Großschäden, Risikomerkmale, Vertragsumfang und künftige Entwicklung gehören zur Einordnung.
Garantiert Field & Folio eine bestimmte Deckung oder Regulierung?
Nein. Deckung und Regulierung hängen immer vom konkreten Vertrag, den Bedingungen und dem Sachverhalt ab. Wir bereiten die Informationen auf, prüfen offene Punkte und begleiten die Klärung mit dem Versicherer.
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Quellen
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