Unterversicherungsverzicht in der Wohngebäudeversicherung
Ein Unterversicherungsverzicht kann unter vertraglich festgelegten Voraussetzungen dazu führen, dass der Versicherer im Schadenfall nicht wegen Unterversicherung kürzt. Er ist keine unbegrenzte Leistungsgarantie. Wertansatz, Gebäudedaten, Vereinbarungen und Ausschlüsse müssen konkret geprüft werden.
- MerkmalVertraglich
- VoraussetzungKorrekte Angaben
- GrenzeKeine Pauschalgarantie
- Lesezeit3 Minuten
Was der Verzicht leisten kann
Der Unterversicherungsverzicht soll eine bestimmte Kürzungsprüfung begrenzen, wenn die vereinbarten Voraussetzungen erfüllt sind.
Unterversicherung liegt vor, wenn die vereinbarte Versicherungssumme niedriger ist als der tatsächliche Versicherungswert. § 75 VVG erlaubt dem Versicherer dann, die Entschädigung im Verhältnis von Summe zu Wert zu kürzen. Ist ein Gebäude zu 80 Prozent versichert, zahlt er auch bei einem Teilschaden nur 80 Prozent. Diese Proportionalregel gilt für jeden Schaden, auch für kleine.
Der Unterversicherungsverzicht setzt diese Kürzung außer Kraft. Der Versicherer erklärt, sich im Schadenfall nicht auf eine Unterversicherung zu berufen. Im Gegenzug verlangt er, dass die Versicherungssumme nach einem von ihm anerkannten Verfahren ermittelt wurde, etwa mit einem Summenermittlungsbogen, einem Wertgutachten oder über die Wohnfläche.
Der Verzicht ist damit eine Absprache über die Methode, nicht über das Ergebnis. Er gilt für den Gebäudezustand, der bei der Summenermittlung beschrieben wurde. Was danach am Gebäude passiert, ist von ihm nicht automatisch gedeckt.
- Wortlaut und Geltungsbereich der Vereinbarung lesen
- Voraussetzungen zur Wertermittlung und zu Gebäudedaten prüfen
- Entschädigungsgrenzen und sonstige Ausschlüsse getrennt betrachten
Warum aktuelle Objektdaten wichtig bleiben
An-, Um- und Ausbauten, Nutzungsänderungen oder zusätzliche Technik können den dokumentierten Stand verändern.
Die meisten Klauseln zum Unterversicherungsverzicht enthalten eine Einschränkung für spätere Änderungen. Wird das Gebäude nach Vertragsschluss wertsteigernd verändert und das dem Versicherer nicht gemeldet, entfällt der Verzicht oft ganz oder für den Mehrwert. Ein ausgebautes Dachgeschoss mit vier neuen Wohnungen kann so den Schutz für das ganze Haus berühren.
Im Wohnflächenmodell der VGB 2022 bemisst sich der Beitrag an Wohnfläche, Bauart und Ausstattung. Auch dort gilt: Ändern sich diese Merkmale und steigt dadurch der Beitrag, muss die Änderung angezeigt werden. Wer die Fläche nicht nachmeldet, riskiert, dass der Versicherer nur nach der alten Beschreibung entschädigt.
Für Verwaltungen heißt das: Der Verzicht ist nur so gut wie die Pflege der Objektdaten. Bauanträge, Modernisierungsbeschlüsse und Abrechnungen größerer Maßnahmen sind die natürlichen Anlässe, den Vertragsstand zu prüfen.
- Wohn- und Nutzfläche mit dem Vertragsstand abgleichen
- Wertsteigernde Maßnahmen und neue Gebäudeteile dokumentieren
- Abweichungen gegenüber Versicherer oder Makler klären
Wie der Status im Bestand geführt wird
Field & Folio behandelt den Unterversicherungsverzicht als belegbares Vertragsmerkmal, nicht als allgemeines Label.
In vielen Beständen wird der Unterversicherungsverzicht als Häkchen in einer Tabelle geführt. Woher die Angabe stammt, weiß oft niemand mehr. Manchmal wurde er einmal vereinbart und bei einem späteren Versichererwechsel nicht übernommen. Manchmal steht er im Angebot, aber nicht in der Police.
Wir führen ihn deshalb wie jede andere Vertragsangabe: mit der Seite im Versicherungsschein oder Nachtrag, auf der er steht, und mit dem Datum des Dokuments. Wo keine Fundstelle existiert, steht im Bericht „offen“. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil ein fehlender Beleg eine Rückfrage beim Versicherer auslöst und ein bestätigtes Nein eine Entscheidung verlangt.
- Quelle und Vertragsdatum am Merkmal hinterlegen
- Nicht dokumentierte Fälle von bestätigten Nein-Angaben trennen
- Offene Prüfungen in Objekt- und Portfolioreports ausweisen
Ein Rechenbeispiel
Was ohne Verzicht bei einem Teilschaden passiert.
Ein Gebäude hätte heute einen Versicherungswert von 3 Millionen Euro. Versichert sind aufgrund einer veralteten Summe 2,4 Millionen Euro, also 80 Prozent. Ein Leitungswasserschaden kostet 50.000 Euro.
Ohne Unterversicherungsverzicht kann der Versicherer nach § 75 VVG im Verhältnis kürzen und zahlt 40.000 Euro. 10.000 Euro trägt der Eigentümer, obwohl der Schaden weit unter der Versicherungssumme liegt. Mit wirksamem Verzicht zahlt der Versicherer den vollen Betrag, abzüglich Selbstbehalt.
- Kürzung trifft jeden Schaden anteilig
- Verzicht wirkt nur mit anerkannter Summenermittlung
- Summe nach wertsteigernden Maßnahmen prüfen
Häufige Fragen
Was bedeutet Unterversicherung?
Unterversicherung bezeichnet vereinfacht eine Situation, in der der versicherte Wert niedriger angesetzt ist als der maßgebliche tatsächliche Wert. Folgen und Berechnung richten sich nach Vertrag und Schaden.
Gilt der Verzicht trotz falscher Gebäudedaten?
Das kann nicht pauschal angenommen werden. Voraussetzungen, Anzeigepflichten und vertragliche Regelungen müssen im Einzelfall geprüft werden.
Wo steht der Unterversicherungsverzicht?
Er kann sich aus Versicherungsschein, Nachtrag oder Bedingungen ergeben. Eine bloße Annahme oder frühere Aussage ersetzt den dokumentierten Vertragsstand nicht.
Garantiert Field & Folio eine bestimmte Deckung oder Regulierung?
Nein. Deckung und Regulierung hängen immer vom konkreten Vertrag, den Bedingungen und dem Sachverhalt ab. Wir bereiten die Informationen auf, prüfen offene Punkte und begleiten die Klärung mit dem Versicherer.
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Quellen
Wie sieht das in Ihrem Bestand aus? Wir sehen es uns an.